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Pokerturniere

MTT Tournaments auf den Micro-Levels

Während der letzten Wochen habe ich fast nur SnG Turniere gespielt und konnte nach mehr oder weniger 10,5 Jahren Poker-Pause wieder viel Praxiserfahrung sammeln. Dabei ist mir aufgefallen, dass die Spielerqualität und der Skill-Level heute deutlich höher sind als damals, was vermutlich vielen anderen Spielern auch schon aufgefallen ist.

Gleichzeitig gibt es aber doch noch genügend Spieler, die recht viel rumzocken ohne allzu sehr auf Pot-Odds, ICM, GTO oder sonstige Pokerstrategie und -theorie zu achten.

Ich habe mich auch schon hin und wieder dabei ertappt, wie ich nach einer langen Session einfach mal an die Micro-Cash-Tische gegangen bin und ein paar Stacks blöde verschenkt habe – aber das ist ja auch ok, finde ich, solange das die absolute Ausnahme bleibt.

Tightes Spiel auf den Microlevels

Aber egtl. ist es egal, ob man SnG, MTT, Cash oder die neuen Varianten mit Zoom und Spin & Go (faszinierend, dass PokerStars so etwas entwickelt hat – so kann ich selbst auf dem Klo mit iPad ausgerüstet meine Pushing-Ranges optimieren^^) spielt: tight play wins!

Im Juni war ich noch recht „stolz“ auf meinen LAG-Style (loose-aggressive), was ja am Anfang auch gut lief und von Erfolg gekrönt war. Aber dann kamen heftige Downswings, die ich doch auf meine aggressive Spielweise zurückführen konnte.

Ich musste heute bei einem SnG etwas schmunzeln bei folgender Hand:

PokerStars, $3.16 + $0.34 – Hold’em No Limit – 300/600 (50 ante) – 2 players
Replay this hand on CardsChat – https://www.cardschat.com/replayer/624EH45Wt

SB: 8,514 (14 bb)
BB (Hero): 4,986 (8 bb)

Pre-Flop: (1,000) Hero is BB with A♠ A♣
SB raises to 1,200, Hero calls 600

Flop: (2,500) A♥ 7♦ K♦ (2 players)
Hero checks, SB bets 1,250, Hero calls 1,250

Turn: (5,000) 2♣ (2 players)
Hero checks, SB bets 6,014 (all-in), Hero calls 2,486 (all-in)

River: (9,972) J♦ (2 players, 2 all-in)

Total pot: 9,972

Showdown:
SB shows 3♠ 9♠ (high card, Ace)
(Equity – Pre-Flop: 16%, Flop: 0%, Turn: 0%, River: 0%)

BB (Hero) shows A♠ A♣ (three of a kind, Aces)
(Equity – Pre-Flop: 84%, Flop: 100%, Turn: 100%, River: 100%)

BB (Hero) wins 9,972

So etwas kommt allerdings nicht nur bei Sit and Go Turnieren vor, sondern auch bei den MTTs. Geduld zahlt sich am Ende aus, wobei ich vielleicht doch wieder ein kleines bisschen mehr Hände spielen könnte als aktuell meist zwischen 10 und 15% (!).

Aber was ich bei MTT immer noch anstrengend finde, ist die Tatsache, dass man schon recht lange spielt, nur um am Ende dann gegen Hände rauszufliegen wie der folgenden:

Meine Pocket Kings wurden hier von A8s gebustet.

Das ist völlig normal und gehört in den Raum der Wahrscheinlichkeiten, aber trotzdem muss man sich wohl immer wieder daran gewöhnen.

Insgesamt ging es heute ansonsten bei den SnG recht „break even“ raus, also nichts gewonnen und nichts verloren, sodass ich immer noch im Soll liege bei meiner persönlichen Poker Challenge bis Ende August.

[Update vom 09.09.20]

No Bluffs bei Pokerturnieren / MTTs auf den Micro-Limits

In den letzten Tagen habe ich vermehrt MTTs gespielt, und ich konnte ja auch endlich mal wieder gute Money-Finishes hinlegen mit dem 1. Platz auf Pokerstars und dem 2. Platz auf Partypoker. Heute bin ich auch wieder fast zum „final table“ gekommen, und wiederholt hat sich bestätigt: „tight is right“.

Meiner Meinung nach bringt es bis zu den 3,30$ MTTs kaum etwas, eine sogenannte „bluff range“ auszuhecken, weil wirklich kaum ein Spieler dabei ist, der selbst von der marginalsten Hand abzubringen ist – Ausnahmen bestätigen hier die Regel. Stattdessen bin ich persöhnlich sehr erfolgreich damit, meine starken Hände voll auf value zu spielen.

Das heißt, dass ich an besonders „wilden“ Tischen meine 22-77 Pärchen und Hände wie ATo oder A9s aus den mittleren Positionen meist gar nicht spiele. Das ist schon sehr tight, eher NIT, aber es funktioniert eben. Und wenn ich dann doch mal mit 67s von UTG raise, dann ist das wirklich eine Ausnahme.

Vielleicht baue ich 10-20% an Bluffs preflop ein, aber sonst bin ich vermutlich deutlich unter dem, was man spielen „sollte“. Das ist aber immer Ansichtssache, und ich wäre generell vorsichtig, mit vorgefertigten „ranges“ an die Tische zu gehen, weil wirklich jeder Tisch anders ist, mit ganz eigenen Dynamiken, stack sizes usw.

Sicher ist es manchmal so, dass man recht „card dry“ ist und lange keine Premium-Hände bekommt, aber dann muss ich mit A5s bei 10BB immer noch nicht unbedingt aus early position all-in gehen so wie es manche vorschlagen.

Das sind meine aktuellen 5 Cents dazu, aber je länger ich mich mit den Mirco-Limit-Pokerturnieren befasse, desto mehr glaube ich, dass Stats von 14-11 (VPIP / PFR) recht solide sind – das ist weit entfernt von meinen teilweise 24-20 LAG-Stats, die ich vorher oftmals an den Tag gelegt habe.

Aktuell arbeit ich den MTT-Kurs von Run It Once durch, und ich passe mein Spiel permanent an, insbesondere wenn ich neue Erkenntnisse in die Praxis übernehmen will. Aber eines ist für mich wie gesagt glasklar: an den Tischen im einstelligen Dollar-Bereich, werde ich Preflop nur sehr selten mit nichts reingehen;)

Meine Lieblingsturniere: 1,10$, 2,20$ und 3,30$ Buy-In Tournaments

Aktuell kann man mich vor allem bei den 1,10$, 2,20$ und 3,30$ MTTs auf Pokerstars und Partypoker finden. Dabei spiele ich sowohl die Turbo und Hyper-Turbo, manchmal Fast Tournaments, regular egtl. nie, weil ich keine sechs bis acht Stunden investieren möchte.

Wenn ich nach ca. zwei Stunden weiß, dass ich gute Aussichten auf den „final table“ habe und auch schon ITM („in the money“) bin, dann ist das super. Morgens um 09:15 MEZ findet immer das Hot 3,30er Turnier statt, was ich egtl. recht regelmäßig spiele. Die 3,30$ Bounty Hunter, die bei 90 Spielern starten, sind mir fast die liebsten Turniere, wobei es dort schon sehr wild zugeht, muss ich sagen.

Bei den Deep-Stack (Turbo und Hyper) auf Partypoker ist es nicht ganz so schlimm, und auch diese spiele ich sehr gerne – überhaupt habe ich bei Deep-Stack-Turnieren oftmals noch am besten abgeschnitten, weil man dann auch mal „moves“ rausholen kann, die im permanenten medium oder short stack Modus halt eher nicht möglich sind.

Meine Bankroll hat sich gut bei 330$ eingependelt, sodass ich diese Turniere auch vom Bankroll-Management her sehr gut spielen kann, und ich werde an die 5,50er erst mit deutlich über 500$ Bankroll gehen. Manchmal habe ich noch Ausflüge an die 7,50er und 11$ PKO Turniere gemacht, aber so richtig wohl habe ich mich damit nicht gefühlt.

MTT Ziele bis Ende 2020

Wenn ich bis Ende des Jahres ein oder zwei Level über dem jetzigen spielen kann, wäre das schön, aber ein Muss ist das nicht. Mir macht es derzeit sehr viel Spaß, viel Theorie zu pauken, die Harrington I+II Bücher wiederholt zu lesen, den MTT Kurs von Run It Once machen, und das dann an den Tischen anzuwenden.

Mir wird immer mehr bewusst, dass gutes Poker auch mit permanenter Weiterbildung zu tun hat, und wenn man sich die WSOP-Gewinner ansieht, dann haben die meist auch viele Jahre reingesteckt, um überhaupt in der Lage zu sein, solche Turniere zu gewinnen.

Es geht hier um den Prozess und die andauernde Weiterentwicklung. Lange Zeit dachte ich, dass ich schon recht viel kann, aber zwischen 2009 und 2020 sind einfach mal gute elf Jahre vergangen, und nur weil ich für studentische Verhältnisse damals recht gut Geld eingefahren habe jeden Monat, dann heißt das noch lange nichts.

Die Karten werden völlig neu gemischt, und bei den vielen Pokerplattformen, Kursen, GTO und ICM Rechnern wird nur der Spieler langfristig gewinnen, der permanent daran arbeitet, seine Skills zu verbessern – und das gilt selbst bei MTT Poker auf den Micro-Limits!

Kurz gesagt: schön wären bis Ende 2020 noch ein paar weitere Siege bei den 1,10$, 2,20$ und 3,30$ Turnieren, um dann perspektivisch auf 4,40$, 5,50$ und dann auch wieder auf 11$ zu wechseln.

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